Die temporäre Bedeutung von Vorbildern für die politische Vertretung von Frauen

"In den Parlamenten aller US-Bundestaat sind Frauen eine Minderheit" war der Titel eines kürzlich publizierten Beitrags auf Vox.com. Diesbezüglich sind jedoch die Vereinigten Staaten keine Ausnahme: Frauen sind fast überall auf der Welt politisch unterrepräsentiert. Wieso ist dies der Fall? Während es viele potentielle Erklärungen dafür gibt, gilt das Fehlen von gewillten Kandidatinnen als eine der grössten Hürden, die dem Schliessen des politischen „gender gaps“ im Weg stehen. Zwar finden sich noch immer strukturelle Nachteile für Frauen in gewissen politischen Institutionen und Wahlsystemen, jedoch ist auch die Angebots-Seite - dass weniger Frauen als Männer kandidieren - für die Untervertretung verantwortlich. Frauen sind tendenziell weniger daran interessiert sich für ein politisches Amt zur Wahl zu stellen als Männer. Dies ist einerseits mit dem Zweifel an den eigenen Qualifikationen zu erklären, andererseits mit der Tatsache, dass manche Frauen das Wahlprozedere und den Wahlkampf an sich nicht als reizvoll empfinden. Wie soll man nun diesem Sachverhalt entgegentreten? Geschlechterquoten waren und sind ein etabliertes und erfolgreiches Instrument um mehr Frauen für ein politisches Amt zu engagieren. Befürworter einer Quotenlösung argumentieren, dass Quoten positive externe Effekte (spillovers) auf die Frauenvertretung haben, womit sich eine Quote längerfristig selbst wieder hinfällig macht. Quoten führen nicht nur dazu, dass sich Wählerinnnen und Wähler vermehrt an weibliche Politikerinnen gewöhnen, sie schaffen zudem durch eine Erhöhte Beteiligung von Frauen an aktiven Wahlprozessen, dass es mehr Vorbilder für zukünftige weibliche Kandidatinnen gibt. Solche positiven Externalitäten entstehen nicht nur wegen der Geschlechterquote an sich, sondern wegen der durch ihr erwirkten stärkeren Präsenz von Frauen in politischen Ämtern generell.

Mein Artikel argumentiert, dass diese externen Effekte nicht nur innerhalb eines bestimmten Landes, Kantons oder innerhalb einer bestimmten Gemeinde eine Wirkung entfalten, sondern auch über deren Grenzen hinaus. Wird eine Kandidatin in ein Amt gewählt, so kann diese als Vorbild nicht nur für Frauen in derselben Gemeinde, demselben Kanton oder Land dienen, sondern auch Frauen in benachbarten politischen Einheiten. Als Konsequenz ist deshalb zu erwarten, dass die Kandidatur von Frauen durch Grenzen diffundiert. Die einzige Studie, welche dieses Argument bisher untersucht hatte, konnte dazu keine empirischen Belege finden. Die Studie berücksichtigte jedoch nur den Effekt einer einzigen, erst kürzlich stattgefundenen Wahl. Im Kontrast dazu macht sich meine Studie die späte Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz 1971 zu Nutze um den Effekt von weiblichen Vorbildern seit dem Begin des aktiven Frauenwahlrechts zu untersuchen. So lassen sich signifikante positive externe Effekte für einige Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts beobachten. Wurde eine Frau in einer Gemeinde gewählt, führte dies in der nächsten Wahlperiode in 10% der umliegenden Gemeinden dazu, dass eine zusätzliche Frau für das selbe Amt kandidierte. Dieser Effekt hält für ein paar Wahlperioden an, verschwindet dann jedoch: Die Wichtigkeit der weiblichen Vorbilder scheint nur temporär zu sein.

Zwei Gründe sind für diese abnehmende Wirkung von Vorbildern verantwortlich. Zum einen stellt sich heraus, dass externe Effekte nur dann eine Rolle spielen, wenn sich in einer Wahl keine Amtsinhaberin zur Wiederwahl aufstellt. Diese Fälle werden im Verlauf der Zeit seltener, da sich die politische Repräsentation von Frauen kontinuierlich verbessert. Andererseits ist zu beobachten, dass das Einpendeln des Frauenanteils bei lokalen Exekutiv-Wahlen um 20 bis 25 Prozent dazu führt, dass bei Bevölkerung, Parteien und potentielle Kandidatinnen der Eindruck entsteht, dies sei ausreichend für eine gleichberechtigte Vertretung der Geschlechter in politischen Ämtern.

Diese Befunde haben verschiedene praktische Implikation:

1) Interventionen, die zum Ziel haben, den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen, sollten die positiven externen Effekte berücksichtigen. Werden zum Beispiel Quoten nur in gewissen Orten eingeführt, kann die (geographische) Verteilung so ausgestaltet werden, dass der Effekt maximiert wird.

2) Der Zeitpunkt einer Intervention ist entscheidend, da die externen Effekte verschwinden, wenn ein gewisser Anteil erreicht ist - auch wenn dieser Anteil weit entfernt von einer tatsächlichen Gleichberechtigung ist. Die groteske Konsequenz einer erfolgreichen Intervention kann deshalb sein, dass der Fortschritt, der im Bezug auf den Frauenanteil in der Politik erzielt wurde, zu schnell für selbstverständlich und ausreichend empfunden wird.

3) Diese Argumente können für andere unterrepräsentierte Gruppen, wie ethnische Minderheiten und LGBT Menschen (schwul, lesbisch, bi- und transsexuelle) von Bedeutung sein.

Trotz seiner Besonderheiten ist die Schweiz als Untersuchungsfall ziemlich repräsentativ für länderübergreifende Phänomene. Meine Studie zeigt, dass das Beispiel einer erfolgreichen Kandidatin andere Frauen motivieren kann eine politische Karriere anzustreben, jedoch nur bis der Anteil Frauen in der Politik als „genügend“ wahrgenommen wird. Ob Vorbilder auch in Zukunft einer Rolle spielen, wenn es darum geht, eine wirklich ausgeglichene Geschlechterverteilung in der Politik zu erreichen, ist davon abhängig, wie die gegenwärtige Situation von politischen Akteuren und der Bevölkerung im allgemeinen wahrgenommen wird – und davon wie erfolgreich Frauenrechtsgruppen dabei sind, diese Wahrnehmung zu ändern.

L’importance provisoire des modèles de rôle pour la représentation des femmes dans la politique

"Les femmes sont une minorité dans toutes les législatures d’Etat en Amérique" était le titre d’un récent article sur le site Vox.com. Dans cette situation, l’Amérique ne fait pas exception: les femmes sont en effet politiquement mal représentées dans pratiquement tous les pays du monde. Pourquoi est-ce le cas? Il y a plusieurs explications, mais l’une des plus grandes difficultés pour l’égalité des sexes est l’absence de femmes candidates. Le système électoral et d’autres institutions politiques posent souvent des obstacles structurels aux femmes du côté de la demande ainsi que de l’offre. Les femmes semblent être moins enthousiastes à se présenter aux élections que les hommes, en partie parce qu’elles auraient des doutes à propos de leurs qualifications et qu’elles se sentiraient moins à l’aise avec le procédé électoral. Quelles mesures doivent être prises afin de contrer cette situation? Les quotas des genres ont été un outil populaire et efficace. Plusieurs défenseurs pensent que les quotas créent des effets indirects qui les rendraient superflues au fil du temps. Par exemple, on pense que les quotas peuvent mettre les électeurs plus à l’aise envers des femmes politiciennes et qu’ils peuvent surtout attirer plus de femmes dans la politique électorale active en créant des modèles de rôle pour les futures femmes candidates. Ces "spillover" ou "débordements" ne sont pas seulement une conséquence des quotas, mais plus généralement de la présence des femmes dans la politique -- c’est à dire de leur représentation "descriptive".

Mon article démontre que les "débordements" de la représentation des femmes se manifestent aussi entre pays, états, cantons ou communes. Une femme élue dans une certaine commune par exemple, peut devenir un modèle de rôle pour d’autres femmes et pas seulement dans la même commune mais aussi ailleurs. En conséquence, les femmes candidates pourraient se répandre à travers les juridictions. La seule recherche qui a déjà traité cet argument n’a pas pu trouver des évidences qui l’appuyaient, mais cette étude considérait uniquement les effets d’une élection récente. Par contre, mon étude s’appuie sur l’introduction tardive du droit de vote pour les femmes en Suisse en 1971 pour suivre l’influence des exemples précurseurs depuis la première élection durant laquelle les femmes ont pu voter et être élues. Mon analyse trouve des "débordements" significatifs pour quelques années après l’introduction du droit de vote pour les femmes. Au début, si une femme était élue dans une commune, une femme supplémentaire décidait alors de se porter candidate pour les prochaines élections dans 10% des communes voisines. Ce "débordement" persiste pour quelques élections encore mais s’estompe ensuite: l’importance de modèles de rôle apparaît alors comme provisoire.

Il y a deux explications pour cette tendance. D’un côté, l’analyse statistique montre que l’existence d’un "débordement" présuppose qu’il n’y ait pas de femmes sortantes qui se présentent pour la réélection. Comme la représentation féminine s’améliore au fil du temps, il n’y a que peu de communes où c’est le cas. D’un autre côté, des données qualitatives suggèrent que lorsque la proportion des femmes dans les exécutifs locaux atteint 20% à 25%, l’égalité des genres est prise pour acquise par les chefs du parti et les femmes candidates potentielles.

Ces résultats ont plusieurs implications:

1) les interventions visant à augmenter la représentation des femmes devraient également prendre en compte les "débordements". Par exemple, si les quotas de genre sont introduits seulement dans certaines juridictions à l’intérieur d’un pays, leur distribution géographique devrait être conçue pour maximiser la diffusion.

2) la durée de l’intervention est cruciale car les "débordements" changent à travers le temps et ont tendance à disparaître quand un taux de représentation est considéré comme approprié, même si il est loin d’être égalitaire. Ceci peut être une conséquence non-voulue d’interventions à succès: le progrès dans la représentation peut être pris pour acquis trop rapidement.

3) ces arguments peuvent être pertinents pour des groupes mal représentés, comme les minorités ethniques et sexuelles.

Malgré ses spécificités, le cas suisse est assez représentatif des tendances internationales. L’enseignement de mon étude est que l’exemple de politiciennes à succès peut motiver des autres femmes à entreprendre une carrière politique, mais seulement jusqu’à ce que la représentation féminine soit considérée comme adéquate. Par conséquent, l’effet positif des modèles de rôle pour l’amélioration de la représentation des femmes dépend de comment les niveaux actuels de représentation seront perçus par les acteurs politiques et par le public -- et du succès des activistes à influencer ces perceptions.

The Temporary Importance of Role Models for Women's Political Representation

"Women are a minority in every state legislature in America" was the title of a recent post on Vox.com. In this case, the US is no exception: women are politically underrepresented almost everywhere in the world. Why is that the case? There are many explanations, but one of the main obstacles to closing the gender gap in politics is the lack of female candidates. The electoral system and other political institutions often create structural biases against women from the demand side, but the supply side matters as well. Women tend to be less keen to run for office than men, partly because they may doubt their qualifications and partly because they may feel less comfortable with the electoral process itself. What can be done to counter this state of affairs? Gender quotas have been a popular and successful tool for bringing more women into elected office. Many proponents believe that quotas set in motion a number of spillovers that make them unnecessary in the long term. For instance, quotas are believed to make voters more comfortable with female politicians and, importantly, to bring more women into active electoral politics by creating role models for prospective female candidates. Such spillovers are thought to follow not only from gender quotas but from the presence of women in elected office more in general – that is, from their descriptive representation.

My article argues that the spillovers of women's representation operate not only within a given country, state, or municipality, but also across them. A woman elected in a given legislature can be a role model for other women not only in the same legislature but also elsewhere. As a result, female candidates could diffuse across jurisdictions. The only study that has previously considered this argument could not find evidence supporting it, but it considered only the effects of a recent election. By contrast, my study leverages the late introduction of women's suffrage in Switzerland in 1971 to track the influence of role models since the very first election in which women could vote and be elected. I find significant spillovers for a few years after the introduction of women's suffrage. At first, if a woman was elected in a municipality, in the next election an additional woman decided to run for office in 10% of nearby municipalities. This spillover persists for a few elections but then fades away: the importance of role models appears to be temporary.

There are two explanations for this pattern. First, it turns out that spillovers matter only when there is no female incumbent running for re-election. As women's representation improves over time, there are fewer municipalities where that is the case. Second, qualitative evidence suggests that when the share of women among local executives consolidated to about 20 to 25 percent, gender equality became taken for granted by party leaders and potential female candidates alike.

These findings have several practical implications:

1) Interventions aiming to improve women's representation should take their spillovers into account. For instance, if gender quotas are introduced only in some jurisdictions within a country, their (geographic) distribution should be designed to maximize the "diffusion multiplier."

2) The timing of interventions is crucial because spillovers change over time and tend to disappear when a given level of representation is considered appropriate, even though it is far from equal. This can be a perverse consequence of successful interventions: progress in representation may be taken for granted too quickly.

3) These arguments could be relevant for other underrepresented groups, such as ethnic minorities and LGBT people.

Despite its specificities, the Swiss case is quite representative of broad cross-national patterns. The lesson from my study is that the example of successful female politicians can motivate other women to pursue a political career, but only until women's representation is considered adequate. Therefore, whether role models will be a significant factor in taking the political representation of women to the next level will depend on how current levels of representation are perceived both by political actors and by the public at large – and on the success of women's groups in shaping these views.

Modèles de rôle, spillovers et représentation politique des femmes

Ce projet vise à récolter des données sur la représentation des femmes dans les communes de 17 cantons suisses à travers la compilation d’une liste complète des femmes candidates et de leurs résultats d’élection au niveau communal depuis l’introduction du vote des femmes. Ces données vont être utilisées afin d’examiner l’influence des modèles de rôle – donc de politiciennes à succès – sur la promotion de la représentation politique des femmes ainsi que sur leur disposition à être candidate à un poste politique.

Une des raisons principales qui expliquent la différence persistante entre la représentation politique des hommes et des femmes provient du fait que les femmes se portent moins souvent candidates à un poste politique malgré que leur chances d’être élues sont en général les mêmes que celles des hommes. De précédentes études ont démontré que dans le canton de Zurich la présence de modèles de rôle, définis comme des politiciennes à succès avec lesquelles les femmes peuvent s’identifier, peut être mise en relation avec le nombre de candidatures féminines, mais seulement pour quatre élections depuis l’introduction du droit de vote pour les femmes. Cependant, le processus par lequel les modèles de rôle perdent au fil du temps leurs effets positifs, demeure flou et demande de plus amples clarifications. Ce projet met en place des comparaisons inter-cantonales pour a) examiner comment la durée de l’effet positif des modèles de rôle varie, b) expliquer comment les règles électorales déterminent l’influence des modèles de rôle, c) examiner les conséquences involontaires de la représentation des femmes, et d) permettre des estimations fiables des relations de causalité. Ces résultats vont permettre de tirer des conclusions sur le potentiel actuel et futur des modèles de rôle afin d’améliorer la représentation des femmes.

Malgré des améliorations importantes durant la dernière décennie, les femmes restent mal représentées dans la politique. La stagnation de la proportion des femmes dans des postes politiques inférieure à 30% indique qu’on ne peut pas partir du principe qu’un automatisme pourrait créer de bonnes conditions pour améliorer l’égalité des sexes. Il est ainsi fondamental de comprendre comment la fonction des exemples de politiciennes à succès peut contribuer à changer cet état de fait et attirer plus de femmes à déposer leur candidature politique.


Rollenvorbilder, Spillover-Effekte und die Angebotsseite politischer Repräsentation von Frauen

Dieses Projekt zielt darauf ab, umfassende Daten über die Repräsentation von Frauen in den Gemeinden von 17 Schweizer Kantonen zu sammeln, wobei eine komplette Liste der Kandidatinnen und ihrer Wahlergebnissen seit der Einführung des Frauenwahlrechts auf Gemeindeebene erstellt werden soll. Diese Daten werden dazu verwendet, um den Einfluss von Rollenvorbildern – also von erfolgreichen Politikerinnen – auf die Beförderung der politischen Repräsentation von Frauen sowie auf ihre Kandidaturbereitschaft für ein politisches Amt zu untersuchen.

Einer der Hauptgründe für den anhaltenden Geschlechterunterschied in der politischen Repräsentation besteht darin, dass Frauen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für ein Amt kandidieren, obwohl ihre Wahlchancen tendenziell die gleichen sind wie die für Männer. Vorhergehende Studien haben belegt, dass im Kanton Zürich die Anwesenheit von Rollenvorbildern, definiert als erfolgreiche Politikerinnen mit denen sich Frauen identifizieren können, mit höheren Kandidaturzahlen von Frauen einhergeht, allerdings lediglich für vier Wahlgänge. Der spezifische Mechanismus, durch den Rollenvorbilder offenbar über die Zeit ihren positiven Effekt verlieren, verbleibt unklar und bedarf weiterer Abklärung. Dieses Projekt setzt interkantonale Vergleiche ein um a) Variationen im Anhalten des positiven Effekts von Rollenvorbildern zu untersuchen, b) abzuklären, wie Wahlregeln den Einfluss von Rollenvorbildern bedingen, c) die unbeabsichtigten Konsequenzen der Konsolidierung der Frauenrepräsentation zu untersuchen und d) sicherere Schätzungen von kausalen Effekten zu ermöglichen. Diese Schritte werden es erlauben, klarere Schlüsse über das aktuelle und das zukünftige Potential von positiven Rollenvorbildern zur Verbesserung der Frauenrepräsentation zu ziehen.

Trotz signifikantem Fortschritt in den letzten Jahrzehnten verbleiben Frauen in der Politik unterrepräsentiert. Die Stagnation des Frauenanteils in gewählten Ämtern unter 30% zeigt auf, dass nicht von einem positiven Interaktionseffekt, durch den eine erhöhte Frauenrepräsentation gute Bedingungen für eine weitere Verbesserung der Geschlechtergleichstellung schafft, ausgegangen werden kann. Es ist somit zentral zu verstehen, wie die Vorbildfunktion von erfolgreichen Politikerinnen dazu beitragen kann, diese Sachlage zu verändern und mehr Frauen in die Wahlpolitik einzuschliessen.

Role Models, Spillovers, and the Supply Side of Women's Political Representation

This project aims to collect comprehensive data on women's representation in the municipalities of 17 Swiss cantons, including the complete list of female candidates and their electoral performance, since the introduction of women's suffrage at the municipal level. The project will use these data to study the influence of role models -- successful female politicians -- in fostering women's political representation by encouraging more women to run for office.

This project studies the supply side of women’s representation by looking at how spillovers affect the motivation of women to run for office. One of the main reasons for the enduring gender gap in politics is that women continue to be less likely than men to run for office, although their election chances tend to be the same. Previous research has found that, in the canton of Zurich, the availability of role models, defined defined as successful female politicians with whom women can identify, was associated with higher numbers of female candidates, but only for about four elections. However, the specific mechanisms by which the effects of role models decrease over time remain unclear and need further investigation. This project leverages cross-cantonal comparisons to (a) examine variations in the the duration of the effects of role models, (b) study how the influence of role models is conditioned by electoral rules, (c) investigate the unintended consequences of the consolidation of women’s representation, and (d) provide more reliable causal estimates. These steps will permit to draw clearer conclusions on the current and future potential of role models for improving women’s representation.

Despite significant progress in the past decades, women remain underrepresented in politics. Instead of a virtuous circle in which increased women's representation would create favorable conditions for even better gender equality, the share of women in elected offices has stagnated well under 30%. To overcome this state of affairs, it is essential that we better understand how the example of successful female politicians can help to bring more women into electoral politics.

Measuring Policy Diffusion with Automated Content Analysis: The case of Smoking Bans in Switzerland and the United States

Policy diffusion means that policies spread across countries, states, cantons, etc. For example, many cantons in Switzerland adopted smoking bans after an overwhelming majority supported them in a referendum in Ticino. Similarly, smoking bans spread quickly among U.S. states after their successful introduction in California. Many studies have documented the diffusion of policies, but few could explain it precisely.

Our main goal is to improve the understanding of policy diffusion by applying new statistical methods allowing to analyze very large quantities of text. Concretely, we want to find out whether and how the perception of smoking bans in one canton (respectively, U.S. state) is shaped by their adoption in other cantons (respectively, other U.S. states). An hypothesis is that implementation problems, or possible negative consequences for restaurants, are perceived differently when other cantons or states have had positive experiences with smoking bans. This procedure could be applied in many other areas and, therefore, it could make a significant impact on diffusion research. Our study will generate new, important knowledge on how smoking bans have spread, as well as on policy diffusion in general. Diffusion processes can speed up, or slow down, the nation-wide adoption of policies. Therefore, understanding policy diffusion is important for many different political actors.

Mesurer la diffusion des politiques publiques grâce à l’analyse de textes automatisée: Le cas de l’interdiction de fumer dans les lieux publics en Suisse et aux États-Unis

Le concept de diffusion induit l’idée d’une propagation des politiques publiques au travers des différents états, cantons, etc. L’interdiction de fumer dans certains cantons en Suisse est bon exemple illustrant ce concept: plusieurs cantons adoptèrent une loi stipulant l’interdiction de fumer dans les lieux publics seulement après que le Tessin l’eut adopté par referendum, voyant une large majorité de la population tessinoise soutenant le texte de loi. De la même manière, de nombreux états adoptèrent une loi portant sur l’interdiction de fumer aux États-Unis après sa mise en oeuvre réussie en Californie. Jusqu’à présent, la recherche en science politique fut capable de documenter la diffusion de politiques publiques mais pas d’expliquer ses différentes formes.

Notre objectif principal est de contribuer à une meilleure explication du phénomène de diffusion des politiques publiques en utilisant de nouvelles méthodes statistiques autorisant l’analyse d’un très grand nombre de textes. Concrètement, nous souhaitons analyser si et comment la perception d’une loi sur l’interdiction de fumer par l’opinion publique dans un canton, respectivement dans un état américain, est influencé par l’application d’une loi similaire dans un autre canton ou état.

Une première hypothèse serait par exemple que le débat public sur les problèmes liés à la mise en oeuvre d’une interdiction de fumer ainsi que la perception des conséquences négatives d’une telle loi sur les restaurateurs dans un canton ou état soient influencés par l’expérience positive d’une autre région ayant adoptée une interdiction de fumer.

Ce type d’analyse pourrait ensuite être appliqué dans de nombreux autres domaines et avoir ainsi une grande influence sur la recherche en matière de diffusion de politiques publiques. Notre travail va non seulement apporter de nouvelles données pour comprendre comment les lois portant sur une interdiction de fumer se sont diffusées, mais il va également contribuer à améliorer l’analyse des processus de diffusion dans une perspective plus générale. En effet, une meilleure compréhension des mécanismes du processus de diffusion est particulièrement importante car elle permet entre autre d’accélérer ou de freiner l'introduction de ce type de loi à l‘échelle nationale. Une telle information présente de fait un grand intérêt pour de nombreux acteurs du système politique.

Policy-Diffusion anhand von automatisierter Textanalyse messen: Der Fall der Rauchverbote in der Schweiz und in den USA

Mit Policy-Diffusion ist gemeint, dass sich öffentliche Politiken zwischen Ländern, Staaten, Kantonen usw. verbreiten. Rauchverbote sind ein gutes Beispiel dazu: in der Schweiz ist diese Massnahme von vielen Kantonen aufgenommen worden, nachdem sie in einem Referendum im Kanton Tessin auf grosse Zustimmung gestossen ist. Ähnlich haben sich Rauchverbote auch in den USA rasch ausgebreitet, als Folge deren erfolgreichen Einführung in Kalifornien. Während die Hauptidee von Diffusionsprozessen intuitiv ist, ist hingegen der konkrete Ablauf dieser Prozesse kompliziert und vielfältig. Aus diesem Grund konnte die bisherige Forschung die Diffusion von Politiken gut dokumentieren aber nicht differenziert erklären.

Unser übergeordnetes Ziel ist es, durch die Anwendung von neuen statistischen Methoden, die es ermöglichen sehr grosse Mengen von Texten automatisch zu analysieren zu einem verbesserten Verständnis der Policy-Diffusion beizutragen. Konkret möchten wir erkennen, ob und wie die Wahrnehmung von Rauchverboten in einem Kanton bzw. amerikanischen Staat von ihrer Einführung in anderen Kantonen bzw. Staaten geprägt wird. Eine Hypothese ist z.B., dass Umsetzungsprobleme oder mögliche negative Auswirkungen auf Gaststätten anders thematisiert werden, nachdem einige Kantone bzw. Staaten gute Erfahrungen mit Rauchverboten gemacht haben. Dieses Analyseverfahren könnte in vielen anderen Bereichen angewedet werden und somit einen grossen Einfluss auf die Diffusionsforschung ausüben.

Unsere Arbeit wird neue und wichtige Informationen generieren über die Art und Weise wie sich Rauchverbote verbreitet haben, sowie über Diffusionsprozesse im Allgemeinen. Ein vertieftes Verständnis der Policy-Diffusion ist insofern relevant, als die landesweite Einführung einer Massnahme dadurch verlangsamt oder beschleunigt werden kann. Diese Information ist für die verschiedensten politischen Akteure von Bedeutung.

Demokratiediffusion und der "Arabische Frühling"

Die Proteste und demokratischen Reformen (einige davon relativ erfolgreich, andere nicht), die sich in den Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas (MENA-Region) im Jahr 2011 zutrugen, wurden bekannt als der „Arabische Frühling“. Die in der Berichterstattung oft verwendete Metapher der Dominosteine transportierte die Idee, dass die Ereignisse in einem Land von jenen in einem anderen beeinflusst waren. Diese Interpretation ist in der Tat sehr plausibel und wird durch akademische Forschung unterstützt, die Belege sind jedoch nicht sehr aussagekräftig. Unsere Untersuchung verfolgt das Hauptziel, einen präziseren Einblick in diese Fragestellung zu erhalten. Zu diesem Zweck wird analysiert, wie Proteste und Reformen eines bestimmten Landes in einem anderen Land wahrgenommen wurden.

Konkret beziehen wir uns auf fünf Aspekte in der Wahrnehmung von Ereignissen: rivalisierende Gruppen in einem gewalttätigen Kontext, individuelle Schicksale oder Erfolge, Verantwortung für die Protestursache, religiöse und moralische Implikationen, sowie wirtschaftliche Konsequenzen für Individuen, Gruppen, Länder oder die ganze Gegend. Wir untersuchen die Verbreitung dieser Frames und insbesondere ihre Veränderung über die Zeit als Reaktion auf Ereignisse in anderen Ländern. Dies erfolgt durch die Auswertung einer hohen Zahl an Zeitungsartikeln mit statistischen Textanalysetechniken. Die Ergebnisse werden wichtige praktische Implikationen für das Verständnis der Demokratisierungsaussichten der MENA-Region haben und, im Allgemeinen, zum besseren Verständnis der Rolle von Interdependenz und Spill-over-Effekten in den zwischenstaatlichen Beziehungen beitragen.

Democratic diffusion and the "Arab Spring"

The wave of protests and democratic reforms (some relatively successful, others failed) that took place across Middle Eastern and Northern African (MENA) countries in 2011 has been known as the "Arab Spring." Many commentators have used the metaphor of a domino to highlight the idea that events in one country were influenced by events in other countries. This interpretation is very plausible and is supported by some academic research, but the evidence is not very strong. Our main goal is to gain more precise insights into this question by looking at how protests and reforms in a given country were perceived in other countries. Specifically, we consider five aspects that shape how events are perceived: opposing groups in a violent context, individual tragedies or achievements, responsibility for causing the protests, religious or moral implications, and economic consequences for individuals, groups, countries, or the whole region. We examine the prevalence of these frames and, especially, how they change over time and as a response to events in other countries. We do this by studying a very large number of newspaper articles with statistical text analysis techniques. The findings will have important practical implications for the assessment of democratization prospects in the MENA region and, more generally, for gaining a better understanding of the role of interdependence and spillovers in international affairs.