Policy-Diffusion anhand von automatisierter Textanalyse messen: Der Fall der Rauchverbote in der Schweiz und in den USA

Mit Policy-Diffusion ist gemeint, dass sich öffentliche Politiken zwischen Ländern, Staaten, Kantonen usw. verbreiten. Rauchverbote sind ein gutes Beispiel dazu: in der Schweiz ist diese Massnahme von vielen Kantonen aufgenommen worden, nachdem sie in einem Referendum im Kanton Tessin auf grosse Zustimmung gestossen ist. Ähnlich haben sich Rauchverbote auch in den USA rasch ausgebreitet, als Folge deren erfolgreichen Einführung in Kalifornien. Während die Hauptidee von Diffusionsprozessen intuitiv ist, ist hingegen der konkrete Ablauf dieser Prozesse kompliziert und vielfältig. Aus diesem Grund konnte die bisherige Forschung die Diffusion von Politiken gut dokumentieren aber nicht differenziert erklären.

Unser übergeordnetes Ziel ist es, durch die Anwendung von neuen statistischen Methoden, die es ermöglichen sehr grosse Mengen von Texten automatisch zu analysieren zu einem verbesserten Verständnis der Policy-Diffusion beizutragen. Konkret möchten wir erkennen, ob und wie die Wahrnehmung von Rauchverboten in einem Kanton bzw. amerikanischen Staat von ihrer Einführung in anderen Kantonen bzw. Staaten geprägt wird. Eine Hypothese ist z.B., dass Umsetzungsprobleme oder mögliche negative Auswirkungen auf Gaststätten anders thematisiert werden, nachdem einige Kantone bzw. Staaten gute Erfahrungen mit Rauchverboten gemacht haben. Dieses Analyseverfahren könnte in vielen anderen Bereichen angewedet werden und somit einen grossen Einfluss auf die Diffusionsforschung ausüben.

Unsere Arbeit wird neue und wichtige Informationen generieren über die Art und Weise wie sich Rauchverbote verbreitet haben, sowie über Diffusionsprozesse im Allgemeinen. Ein vertieftes Verständnis der Policy-Diffusion ist insofern relevant, als die landesweite Einführung einer Massnahme dadurch verlangsamt oder beschleunigt werden kann. Diese Information ist für die verschiedensten politischen Akteure von Bedeutung.