Rollenvorbilder, Spillover-Effekte und die Angebotsseite politischer Repräsentation von Frauen

Dieses Projekt zielt darauf ab, umfassende Daten über die Repräsentation von Frauen in den Gemeinden von 17 Schweizer Kantonen zu sammeln, wobei eine komplette Liste der Kandidatinnen und ihrer Wahlergebnissen seit der Einführung des Frauenwahlrechts auf Gemeindeebene erstellt werden soll. Diese Daten werden dazu verwendet, um den Einfluss von Rollenvorbildern – also von erfolgreichen Politikerinnen – auf die Beförderung der politischen Repräsentation von Frauen sowie auf ihre Kandidaturbereitschaft für ein politisches Amt zu untersuchen.

Einer der Hauptgründe für den anhaltenden Geschlechterunterschied in der politischen Repräsentation besteht darin, dass Frauen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für ein Amt kandidieren, obwohl ihre Wahlchancen tendenziell die gleichen sind wie die für Männer. Vorhergehende Studien haben belegt, dass im Kanton Zürich die Anwesenheit von Rollenvorbildern, definiert als erfolgreiche Politikerinnen mit denen sich Frauen identifizieren können, mit höheren Kandidaturzahlen von Frauen einhergeht, allerdings lediglich für vier Wahlgänge. Der spezifische Mechanismus, durch den Rollenvorbilder offenbar über die Zeit ihren positiven Effekt verlieren, verbleibt unklar und bedarf weiterer Abklärung. Dieses Projekt setzt interkantonale Vergleiche ein um a) Variationen im Anhalten des positiven Effekts von Rollenvorbildern zu untersuchen, b) abzuklären, wie Wahlregeln den Einfluss von Rollenvorbildern bedingen, c) die unbeabsichtigten Konsequenzen der Konsolidierung der Frauenrepräsentation zu untersuchen und d) sicherere Schätzungen von kausalen Effekten zu ermöglichen. Diese Schritte werden es erlauben, klarere Schlüsse über das aktuelle und das zukünftige Potential von positiven Rollenvorbildern zur Verbesserung der Frauenrepräsentation zu ziehen.

Trotz signifikantem Fortschritt in den letzten Jahrzehnten verbleiben Frauen in der Politik unterrepräsentiert. Die Stagnation des Frauenanteils in gewählten Ämtern unter 30% zeigt auf, dass nicht von einem positiven Interaktionseffekt, durch den eine erhöhte Frauenrepräsentation gute Bedingungen für eine weitere Verbesserung der Geschlechtergleichstellung schafft, ausgegangen werden kann. Es ist somit zentral zu verstehen, wie die Vorbildfunktion von erfolgreichen Politikerinnen dazu beitragen kann, diese Sachlage zu verändern und mehr Frauen in die Wahlpolitik einzuschliessen.