Demokratiediffusion und der "Arabische Frühling"

Die Proteste und demokratischen Reformen (einige davon relativ erfolgreich, andere nicht), die sich in den Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas (MENA-Region) im Jahr 2011 zutrugen, wurden bekannt als der „Arabische Frühling“. Die in der Berichterstattung oft verwendete Metapher der Dominosteine transportierte die Idee, dass die Ereignisse in einem Land von jenen in einem anderen beeinflusst waren. Diese Interpretation ist in der Tat sehr plausibel und wird durch akademische Forschung unterstützt, die Belege sind jedoch nicht sehr aussagekräftig. Unsere Untersuchung verfolgt das Hauptziel, einen präziseren Einblick in diese Fragestellung zu erhalten. Zu diesem Zweck wird analysiert, wie Proteste und Reformen eines bestimmten Landes in einem anderen Land wahrgenommen wurden.

Konkret beziehen wir uns auf fünf Aspekte in der Wahrnehmung von Ereignissen: rivalisierende Gruppen in einem gewalttätigen Kontext, individuelle Schicksale oder Erfolge, Verantwortung für die Protestursache, religiöse und moralische Implikationen, sowie wirtschaftliche Konsequenzen für Individuen, Gruppen, Länder oder die ganze Gegend. Wir untersuchen die Verbreitung dieser Frames und insbesondere ihre Veränderung über die Zeit als Reaktion auf Ereignisse in anderen Ländern. Dies erfolgt durch die Auswertung einer hohen Zahl an Zeitungsartikeln mit statistischen Textanalysetechniken. Die Ergebnisse werden wichtige praktische Implikationen für das Verständnis der Demokratisierungsaussichten der MENA-Region haben und, im Allgemeinen, zum besseren Verständnis der Rolle von Interdependenz und Spill-over-Effekten in den zwischenstaatlichen Beziehungen beitragen.

Democratic diffusion and the "Arab Spring"

The wave of protests and democratic reforms (some relatively successful, others failed) that took place across Middle Eastern and Northern African (MENA) countries in 2011 has been known as the "Arab Spring." Many commentators have used the metaphor of a domino to highlight the idea that events in one country were influenced by events in other countries. This interpretation is very plausible and is supported by some academic research, but the evidence is not very strong. Our main goal is to gain more precise insights into this question by looking at how protests and reforms in a given country were perceived in other countries. Specifically, we consider five aspects that shape how events are perceived: opposing groups in a violent context, individual tragedies or achievements, responsibility for causing the protests, religious or moral implications, and economic consequences for individuals, groups, countries, or the whole region. We examine the prevalence of these frames and, especially, how they change over time and as a response to events in other countries. We do this by studying a very large number of newspaper articles with statistical text analysis techniques. The findings will have important practical implications for the assessment of democratization prospects in the MENA region and, more generally, for gaining a better understanding of the role of interdependence and spillovers in international affairs.